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Was ist die Tübinale?


Die Tübinale ist ein jährlich stattfindendes Kurzfilmfestival von und für die Studierenden der Medienwissenschaft in Tübingen.

 Bachelorstudierende können für die Tübinale eigene Kurzfilme einreichen, die im Rahmen einer begleitenden Vorlesung eine feste Struktur bekommen. Das Festival vereint die drei konzeptionellen Säulen medienwissenschaftlicher Inhalt, didaktische bzw. filmische Vermittlung und gesellschaftliches Engagement.

 

Veranstaltet und organisiert wird die Tübinale ebenfalls von Bachelorstudierenden des Instituts, unter der Leitung des Lehrstuhls für Medieninnovation und Medienwandel unter der Schirmherrschaft von Prof. Dr. Klaus Sachs-Hombach. Die Jury bilden jedes Jahr die Sieger:innen der Vorjahre sowie ausgewählte Expert:innen aus Theorie und Praxis.

 

Von Jahr zu Jahr hat sich die Tübinale dynamisch weiterentwickelt, professionalisiert und als Filmprojekt und Abend-Event etabliert. Seit über zehn Jahren ist die Tübinale nun fester Bestandteil des Curriculums und gehört zu den jährlichen Highlights am Institut für Medienwissenschaft.



Die Geschichte der Tübinale

Wie wurde die Tübinale zu dem, was sie heute ist?


Interview mit den Tübinale-Machern

 Im Interview mit Prof. Dr. Klaus Sachs-Hombach, Dr. Lukas R. A. Wilde und Elias Raatz haben wir die Geschichte der Tübinale Revue passieren lassen und alle weiteren wichtigen Informationen zusammengefasst.



Die Tübinale in drei Worten


"Engagement, Spaß & Verantwortung"

Prof.  Dr. Klaus Sachs-Hombach

Gründer der Tübinale & wissenschaftliche Leitung


"Oscarverleihung, Abiball & Afterparty"

Dr. Lukas R. A. Wilde

Dozent und Hauptverantwortlicher für die Organisation der Tübinale 


"Spaß, Management & Horizonterweiterung"

Elias Raatz

Wissenschaftliche Hilfskraft im Projektmanagement des Festivals 



Die Vergangenheit


Die Idee

Tübingen und Tübinale: die Herkunftsgeschichte wirkt eindeutig, doch dieser erste Eindruck täuscht, denn tatsächlich kommt die Idee für die Tübinale aus Magdeburg. An der dortigen Otto-von-Guericke Universität startete Dr. Winfried Marotzki, Professor für Allgemeine Pädagogik, im Jahr 1997 die so genannte Videoexposition. Diese universitäre Veranstaltung ist bis heute ein jährlich stattfindendes Kurzfilmfestival von Studierenden für Studierende. Ende der 90er Jahre richtete sich die Videoexposition primär an Student:innen der Medienbildung und der Computervisualistik. Prof. Dr. Winfried Marotzki wollte damals seinen Student:innen die Möglichkeit geben, seine Vorlesungsthemen mit audiovisuellen Mitteln zu bearbeiten und damit zu einer kritischen Reflexion anzuregen. Die Teilnehmenden der Videoexposition konnten im Rahmen dieser Vorlesung ihre selbstgedrehten Kurzfilme einreichen. Dauer, Thema und Gruppengröße waren nicht genau festgelegt. Am Abend der Videoexposition wurden die drei besten Kurzfilme dann von einer Jury mit dem handgefertigten Känguru-Preis prämiert.



Willkommen in Tübingen

Zusammen mit Prof. Dr. Klaus Sachs-Hombach, der damals unter anderem als Mitarbeiter des Magdeburger Instituts mit der Organisation der Videoexposition betraut war, reiste die Idee des Kurzfilmfestival über Chemnitz schließlich im Jahr 2011 bis nach Tübingen.  Am hiesigen Lehrstuhl für Medieninnovation und Medienwandel wollte auch er seinen Tübinger Student:innen die Chance geben, die Vorlesungsinhalte zum Thema „Medienkonvergenz“ medial umzusetzen und diese Arbeit auch als Studienleistung anrechnen lassen zu können. Im Unterschied zum Projekt in Magdeburg führte Prof. Dr. Klaus Sachs-Hombach in Tübingen eine thematische und zeitliche Vorgabe ein. In Tübingen gab es nun wechselnde, zur Vorlesung „Medienkonvergenz“ passende Schwerpunktthemen und eine zeitliche Begrenzung von fünf Minuten. Im Laufe der Jahre hat sich die Tübinale immer weiter ausdifferenziert und professionalisiert.



Was denken Sie, wenn Sie auf die letzten Jahre der Tübinale zurückblicken?


Prof. Dr. Klaus Sachs-Hombach: "Ich finde es bemerkenswert, dass so viele Student:innen so engagiert bei der Tübinale mitmachen. Mit Motivation lernt es sich bekanntlich besser, und so freue ich mich, dass die Tübinale zu einem wertvollen pädagogischen Format wurde. Es ist schön mitzuerleben, wie sich das Projekt professionalisiert hat und die Filme im Durchschnitt von Jahr zu Jahr besser werden."


Dr. Lukas R. A. Wilde: "Die Qualität der Filme ist, im Schnitt,  kontinuierlich gestiegen. Man merkt, dass das Filmemachen nicht nur technisch immer leichter wird, sondern auch, dass das entsprechende medien-ästhetische Feingefühl der Studis entsprechend mitwächst. Vielleicht wird heute  einfach nur mehr hochwertig produziertes Netflix geschaut. Ich freue mich jedes Jahr mehr auf die Sichtungen."


Elias Raatz: "Dass eine Online-Tübinale zwar schön sein kann, das Festival aber als Live-Galaabend deutlich atemberaubender ist."


Vom Hörsaal übers Kino ins Theater

2011 startete die Veranstaltung der Tübinale in einem kleinen Hörsaal an der Universität Tübingen und wagte dann den Schritt in die Stadtöffentlichkeit. Einige Jahre fand die Tübinale im Kino Museum statt, bis die Räumlichkeiten umgebaut und dadurch zu klein für die Tübinale wurden. Das Event erfreute sich wachsender Beliebtheit bei ihren Zuschauer:innen, sodass man sich vor Beginn der Corona-Pandemie entscheiden musste, ob die Tübinale weiterwachsen und die Zuschauerzahl von Tausend überschreiten sollte. Die Alternative dazu war eine kleinere und exklusivere Tübinale. Während der Corona-Pandemie wechselte die Tübinale zwei Mal ins Digitale und entschloss sich für eine neue Location: im Landestheater Tübingen (LTT) fand die Tübinale das perfekte Environment für ein feierliches Festival-Feeling. Heute ist die Tübinale ein analoges und zugleich digitales Live-Event.



Was waren für Sie die Highlights der vergangenen Tübinalen?


Prof. Dr. Klaus Sachs-Hombach: "Die Sieger-Filme der verschiedenen Jahrgänge und die Tatsache, dass die Jury-Sitzungen erfreulicherweise meistens eindeutig waren, sind meine Tübinale-Highlights." 


Dr. Lukas R. A. Wilde: "Das Streaming-Format war natürlich immer eher eine Notlösung gegenüber einem Filmfestival im Kino Museum oder im LTT, aber dass die Tübinale dadurch 2020 von einem kleinen Kreis aus engagierten Studis überhaupt 'gerettet' werden konnte, nachdem das Projekt zu Pandemiebeginn erst mal ganz abgebrochen worden ist, hat mich sehr begeistert."


Elias Raatz: "Die der Pandemie geschuldete, erfolgreiche Transformation des Festivals in eine Online-Show."


Die Gegenwart


Die Tübinale als praktischer Teil einer theoretischen Vorlesung

Die Student:innen des Instituts für Medienwissenschaft belegen im dritten Semester die Vorlesung von Prof. Dr. Klaus Sachs-Hombach zum Thema „Medienkonvergenz“. Das Besondere an dieser Vorlesung ist, dass sich die Student:innen überlegen können, ob sie am Ende des Wintersemesters eine Klausur schreiben oder lieber einen Kurzfilm drehen wollen. In beiden Fällen wird die Arbeit mit einem Leistungsnachweis benotet. Thematisch sollen sich die Kurzfilme an den Vorlesungsinhalten orientieren. Jedes Jahr gibt es zudem ein neues Schwerpunktthema, dass die Medien-konvergenz ergänzt. Entscheidend für die Wahl des Schwerpunktthemas ist laut Prof. Dr. Klaus Sachs-Hombach die gesellschaftliche Relevanz, die filmische Umsetzbarkeit und idealerweise auch ein Aktualitätsbezug. Zum jeweiligen Vorlesungsschwerpunkt werden Expert:innen für Gastvorträge eingeladen. Zu den vergangenen Schwerpunktthemen gehörten unter anderem „Terrorismus“, „Selbstoptimierung“ und „Polarisierung“. Besonders der Schwerpunkt „Polarisierung“ war für Prof. Dr. Klaus Sachs-Hombach ein ideales Thema. 



Von der Idee zum fertigen Film

Entscheiden sich die Studierenden, egal ob Haupt- oder Nebenfachler:innen, für die Realisierung eines kurzen Films, werden sie gebeten, sich zu Dreiergruppen zusammen zu finden. In Kooperation mit dem interdisziplinär arbeitenden Zentrum für Medienkompetenz (ZFM) der Universität Tübingen werden die maximal 14 Filmteams unterstützt. Beispielsweise gibt es einen freiwilligen Dramaturgiekurs und einen obligatorischen Kamerakurs für all diejenigen, die sich eine Kamera vom ZFM ausleihen möchten. Über das ZFM haben die Filmteams auch Zugang zu einem Schnittprogramm und Computern.  Die Filmteams werden in den nächsten Monaten zusammen mit ihrer Gruppe an der theoretischen Konzeption, dem praktischen Dreh und der zeitaufwändigen Postproduction arbeiten. Genretechnisch sind den Filmteams dabei keine Grenzen gesetzt: Sie können wahlweise einen Realfilm, Animationsfilm, Erklär- oder Archivfilm drehen. Lässt man die Filme der letzten Jahre Revue passieren, hat sich die überwiegende Mehrheit der Teilnehmenden in der Vergangenheit für einen Realfilm entschieden.  Der Arbeitsaufwand rund um die Filmrealisierung soll sich dabei an ca. 180 Stunden orientieren, dies entspricht in der studentischen Zeitwährung genau 6 Leistungspunkten.



An welchen Film erinnern Sie sich noch besonders – und warum?


Prof. Dr. Klaus Sachs-Hombach: "Das ist eine schwere Frage. Doch der Film 'Matrjoschka' von Berkan Cakir aus dem Jahr 2012 ist mir in besonderer Erinnerung geblieben, das war rückblickend ein wirklich beeindruckender Kurzfilm!"


Dr. Lukas R. A. Wilde: "Ich denke zuerst an Helen Khorramis, Latisha Kurts und Marianna Glanovits' Animationsfilm 'Mary Had a Little Lamb', den Gewinner:innenfilm von 2019: Ästhetisch, atmosphärisch, inhaltlich schwer zu überbieten! Ansonsten sind natürlich alle Filme mit Cameo-Auftritten von Guido Zurstiege legendär, da hat Bollywood Bills mit 'Social Media in Today's World' 2020 schon gut vorgelegt..."


Elias Raatz: "An 'Hold on' vom Team SpiegelBild Klub. Ich finde den Film auf jeder Ebene grandios, vor allem natürlich die Musik.


Das Tübinale-Team

Auch das Event Tübinale wird von Student:innen organisiert. Während früher im fünften Semester die Tübinale als Abschlussprojekt geplant wurde, können heute auch Drittsemester im Rahmen der 2018 neu eingeführten Lehrredaktion das Tübinale-Event realisieren. Das Seminar wird von Dr. Lukas Wilde geleitet und von Elias Raatz als HiWi unterstützt. Diese Stelle ist eine weitere Besonderheit der Tübinale, denn sie zeigt, wie wichtig die Tübinale dem Lehrstuhl ist. Zu den Aufgaben des Tübinale-Teams gehört die Kommunikation mit den Filmteams, die Finanzplanung und Sponsorenakquise, die Realisierung von audiovisuellen Inhalten, die Organisation der Jury, die Planung des Tübinale-Abend sowie die redaktionelle Betreuung des Projekts auf der eigenen Homepage und via Social Media.



Was hat Ihnen Kopfzerbrechen bereitet und warum?


Prof. Dr. Klaus Sachs-Hombach: "Die Kommunikation zwischen den verschiedenen Gruppen war in der Vergangenheit nicht immer einfach. Missverständnisse haben dann zu Unzufriedenheit geführt, das war schade. Doch ich neige dazu, im Nachhinein die komplizierten Dinge zu vergessen und mich eher an die schönen und guten Dinge zu erinnern, das hilft."


Dr. Lukas R. A. Wilde: "Immer und immer wieder das leidige Thema Pandemie... Ich habe das Tübinale-Seminar 2019 von Klaus Sachs-Hombach übernommen und bislang noch kein einziges Präsenz-Filmfestival mit meinen Studis zelebrieren können. Der kommende Mai wird also geradezu kathartisch für mich...!"


Elias Raatz: "Wie wir es Jahr um Jahr schaffen können, die Studierenden noch besser und professioneller auf das eigene Filmdrehen vorbereiten zu können."


Der Tübinale-Abend: Ein Montag im Mai

Am Tübinale-Abend werden die studentischen Kurzfilme erstmals öffentlich ausgestrahlt und die Auszeichnungen einer unabhängigen Jury preisgegeben. Traditionell besteht die Tübinale-Jury aus fachkundigen Medienexpert:innen und den studentischen Gewinner:innen des Vorjahres. Ein interaktiver Publikumspreis und Bühnen-Gäste runden die Premiere ab. Der Tübinale-Abend wird mit rotem Teppich, Sektempfang und Abendgarderobe oder mit Laptop, Livestream und Pausenprogramm zu einem unvergesslichen Abend. Auf der anschließenden Aftershowparty lassen das Tübinale-Team und die Filmteams die Tübinale mit geladenen Gästen feierlich ausklingen.



Die Zukunft


 Im Frühling 2024 wird Prof. Dr. Klaus Sachs-Hombach in den Ruhestand gehen und darum die Tübinale in neue Hände übergeben. Im Gespräch sagt Prof. Dr. Klaus Sachs-Hombach, er würde sich wünschen, dass sich die Tübinale weiterentwickelt und gleichzeitig die etablierten Strukturen bewahrt. Vielleicht wird die Tübinale irgendwann von engagierten Studierenden auch über die Institutsgrenzen hinweg und jenseits eines Seminars veranstaltet? 

Sicher ist, dass im Rahmen der nächsten Tübinale das Thema “Medienkonvergenz und Plattformen” von den Student:innen der Medienwissenschaft filmisch umgesetzt werden wird. Die Bedeutung der Kommunikations- und Musik- oder Film-Plattformen für die heutigen Zeit steht dabei im Fokus. Auf viele weitere tolle Kurzfilme und glamouröse Tübinale-Abende mit Tübinale-Fans und Kurzfilm-Begeisterte!



Wie stellen Sie sich die Tübinale in der Zukunft vor?


Prof. Dr. Klaus Sachs-Hombach: "Für die Zeit bis zu meinem Ruhestand wünsche ich mir, dass sich die Tübinale weiter professionalisiert. Vielleicht wird die Tübinale ja auch irgendwann von den Studierenden der Fachschaft freiwillig organisiert? Ich würde mich freuen."


Dr. Lukas R. A. Wilde: "In zwei Jahren, 2024, wird ja vermutlich das letzte Jahr sein, in dem Klaus Sachs-Hombach noch an der Uni Tübingen aktiv ist, danach muss sich die Tübinale unter anderer Regie neu erfinden... ich hoffe auf jeden Fall auf ein grandioses Finale bis dahin, zwei spektakuläre Abschlussrunden - und dann ein bisschen Phönix aus der Asche!"


Elias Raatz: "Hoffentlich mit weiterhin so engagierten und motivierten Studierenden wie bisher!"